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Telomax: Großrazzia und Haftbefehle nach Betrugsverdacht

Großrazzia gegen Telomax: Polizei und Staatsanwaltschaft haben wegen des Verdachts des Betrugs per Telefonrechnung 55 Häuser und Büros durchsucht. Acht Verdächtige wurden verhaftet.

Symbolbild: Danny Elskamp/Fotolia.de

Die Telomax hatte in den vergangenen eineinhalb Jahren immer wieder für Wirbel gesorgt. Etliche Menschen entdeckten auf ihren Telefonrechnungen Forderungen der Telomax, weil sie angeblich kostenpflichtige Abos bei Diensten wie win-finder.com, gewinner-zeit, oder gluecksfinder.com abgeschlossen hätten. Bei den Verbraucherzentralen stapelten sich die Beschwerden, die Bundesnetzagentur schritt mehrfach ein und verbot das Inkasso für die fragwürdigen Forderungen.

Jetzt schlugen auch die Ermittler zu. Wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betrugs ließ die Staatsanwaltschaft Frankfurt insgesamt  55 Wohnungen und Büros in Deutschland durchsuchen. Weitere Durchsuchungen fanden zeitgleich in der Schweiz und in Österreich statt. Insgesamt waren rund 1000 Polizeibeamte im Einsatz.

Haftbefehl gegen acht Verdächtige

Ach Verdächtige, darunter laut Staatsanwaltschaft der mutmaßliche Kopf der Bande, seine „rechte Hand“, sowie der Geschäftsführer der Firma Telomax GmbH wurden aufgrund bestehender Haftbefehle festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt. Zudem wurde umfangreiches Beweismaterial in den Durchsuchungsobjekten sichergestellt. Insgesamt werde derzeit gegen 14 Beschuldigte im Alter von 26 bis 58 Jahren ermittelt, hieß es.

Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge hatten die Beschuldigten ab Juli 2010 eine neue Vorschrift im Telekommunikationsgesetz ausgenutzt, nach der Mehrwertdienstleistungen über die Telefonrechnung vom Netzbetreiber eingezogen werden können.

Opfer mit Kosmetikgutschein angelockt

Die Beschuldigten hätten zunächst einmal Datensätze zumeist älterer Personen gekauft. Diese Personen seien von Call-Centern in Pristina/Kosovo und Sofia/Bulgarien angerufen worden mit der Behauptung, sie hätten einen Kosmetikgutschein über 100 Euro gewonnen. Um angeblich die persönlichen Daten und die Lieferdaten des Gewinns abzugleichen, wurden die Betroffenen  gebeten, einer Aufzeichnung des folgenden Gesprächs zuzustimmen. In diesem Gespräch sollen die Teilnehmer dann „durch irreführende und manipulative Gesprächsführung dazu gebracht worden sein,“ verschiedene Fragen mit „ja“ zu beantworten. Diese „bewusst selektive Aufzeichnung des Gesprächs“ sollte den Abschluss eines kostenpflichtigen Vertrags über die Eintragung in über 200 Gewinnspiele zum wöchentlichen Abonnementpreis von 9,90 Euro nach außen hin dokumentieren. “

Bei diesem Gespräch wurde den Kunden auch der Berechtigungscode genannt, um die Voraussetzungen für den Forderungseinzug nach dem Telekommunikationsgesetz zu erfüllen. Nach dem Telefonat wurde über eine weitere Firma, den sogenannten. Carrier,  das Inkasso über den Telefondienstleister vorgenommen“, berichten die Ermittler weiter.

Geschäftsführer der Telomax laut Staatsanwaltschaft eingeweiht

Der 31-jährige Beschuldigte soll nicht nur die Einrichtung der Call-Center initiiert haben, sondern auch die Firma Telomax GmbH als Carrier eingebunden haben, die einen Fakturierungs- und Inkassierungsvertrag mit den Netzbetreibern hatte. Der ebenfalls beschuldigte Geschäftsführer dieser Firma soll in den Tatplan eingeweiht gewesen sein.

Die Anbieterfirmen für den angeblichen Gewinneintragungsdienst versteckten sich auf den British Virgin Islands und in den USA. „Wenn also ein Kunde die angebliche Mehrwertdienstleistung hinterfragen wollte, wurde er vom Netzbetreiber an den Carrier Telomax verwiesen, der wiederum an die im Ausland ansässige Firma weiter verwies, was den Geschädigten die Reklamation unmöglich machte“, schildern die Fahnder das Firmengeflecht rund um die Telomax.

Insgesamt soll die Firma Telomax auf diese Weise mindestens 1,6 Millionen Euro kassiert haben. Weitere 810.000 Euro kamen nicht zur Auszahlung, weil die Bundesnetzagentur eingriff. Etwa die Hälfte des an die Firma Telomax gezahlten Geldes soll an den 31-jährigen mutmaßlichen Kopf der Bande geflossen sein.

Mindestens 100.000 Geschädigte in Deutschland

In einer weiteren Tatvariante wurden Personen angerufen und ihnen Benzingutscheine im Wert von 10 Euro aus einer angeblichen Verlosung in Aussicht gestellt, so die Ermittler weiter. Um den Gewinn abzurufen, sollten sie eine 0800-Nummer anrufen. „Dort lief ein Band, das in schneller Sprechfolge das Gewinnspiel anbot und die Anrufer animierte, die Ziffern 1 und 9 zu wählen, wodurch sie, ohne dies zu erkennen, ihre Zustimmung zum Abschluss eines Vertrages mit einem Gewinnspieleintragungsdienst gaben“, berichtet die Staatsanwaltschaft.

Aufgrund der bisherigen Ermittlungen sei derzeit von mindestens 100.000 geschädigten Personen in Deutschland auszugehen.

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