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Schlag gegen boerse.bz: Polizei durchsucht über 120 Wohnungen

Schlag gegen boerse.bz: Polizei und Staatsanwaltschaft haben heute bundesweit Wohnungen mutmaßlicher Uploader des bekannten Szene-Forums durchsucht. Razzien hätten in 121 Objekten in 14 Bundesländern stattgefunden, berichtete die Staatsanwaltschaft Köln.

Bild: Lukassembera/fotolia.com

Zwei Wochen nach der Aktion gegen kinox.to nun also der nächste Schlag gegen die Warez-Szene: Unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Köln durchsuchten Polizeibeamte heute 121 Wohnungen in 14 Bundesländern. Den Betroffenen werde vorgeworfen, „über einen längeren Zeitraum in erheblichem Ausmaß aktuelle, urheberrechtlich geschützte Kino- und Spielfilme, Musikalben, Software und E-Books bei diversen Filehostern hochgeladen und über das Portal „boerse.bz“ einer überwiegend deutschen Downloadszene zum kostenlosen Herunterladen bereitgestellt zu haben“, so die Staatsanwaltschaft Köln. Die Uploader – Szenedeutsch „Upper“ – hätten dadurch monatlich mehrere tausend Euro verdient. Rund 2,7 Millionen Nutzer hätten von den illegalen Downloads profitiert.

Das Ermittlungsverfahren hatten die GVU und die bekannte Münchner Abmahnkanzlei Waldorf Frommer ins Laufen gebracht.  „Bei der GVU standen zuletzt die Boerse.bz-Uploader im Mittelpunkt. Umfangreiche Analysen und Recherchen erbrachten neueste Informationen zu zahlreichen solcher Urheberrechtsverletzer, die auch in jüngster Vergangenheit für Boerse.bz tätig waren“, so die Gesellschaft. „Diese Erkenntnisse leitete die GVU in den letzten Monaten kontinuierlich an die Staatsanwaltschaft Köln weiter.“

Wie die Fahnder an die Daten der Uploader kamen, also an deren IP-Adressen und folglich Namen und Wohnsitze, wurde nicht mitgeteilt. In der Szene wurde spekuliert, dass die privaten und staatlichen Fahnder bei ihrer Aktion möglicherweise Hilfe aus dem inneren Kreis von boerse.bz hatten.

Boerse.bz blieb zunächst online

Denkbar ist freilich auch, dass die Fahnder über ihre Ermittlungen gegen die Betreiber von Kinox,to, Bitshare und Freakshare an die Daten kamen. Auf den beiden Hostern lagen viele Inhalte, die auch über Boerse.bz geteilt wurden.

Im Rahmen der Durchsuchungsmaßnahmen stellten die Ermittler etliche Computer, Festplatten und Datenträger sicher. „Einige der Tatverdächtigen zeigten bereits Kooperationsbereitschaft. Die Ermittlungsbehörden erhoffen sich, über die Auswertung der Beweismittel weitere Erkenntnisse über die Raubkopierszene zu erlangen“, so die Staatsanwaltschaft Köln.

Die GVU berichtete, auf boerse.bz hätten registrierte Nutzer über Links Zugriff auf 11.231 E-Books und E-Book-Sammlungen, 29.865 Spiele, 61.776 Kino- und Spielfilme, 13.560 TV-Serien sowie 15.866 Dokumentationen gehabt. Die meisten Inhalte seien über die Hoster Bitshare, Freakshare oder Oboom verteilt worden. Allein im vergangenen Monat sei das Forum Boerse.bz rund 5,6 Millionen Mal abgerufen worden.

Gewerbsmäßige Urheberrechtsverletzung kann mit Geld- oder Freiheitsstrafe belegt werden. Ob die Fahnder jetzt auch gegen die Nutzer von boerse.bz vorgehen, ist unklar – ebenso, ob die Rechteinhaber möglicherweise zivilrechtliche Schritte gegen Downloader einleiten wollen.

Boerse.bz war am Dienstagabend, etliche Stunden nach den Razzien, weiter online.