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Organmafia verschleppt Kinder: Falschmeldung verunsichert Facebook-Nutzer

Organmafia entführt Kinder. Organ-Händler unterwegs.  Polizei warnt vor osteuropäischen Kindesentführern: Meldungen wie diese werden aktuell bei Facebook verbreitet – und sind nichts anderes als  Unfug. Die Polizei spricht von „frei erfundenen Schockgeschichten“.

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Organmafia entführt Kinder: Diese Falschmeldung macht derzeit bei Facebook die Runde. Symbolbild: apops/fotolia.com

Unzählige Facebook-Nutzer bekamen in den vergangenen Tagen Nachrichten in ihrem Newsfeed eingeblendet, die sich auf den ersten Blick erschreckend lasen. Die Organmafia sei unterwegs, hieß es darin. Organhändler hätten in der nahen Stadt oder im Dorf zugeschlagen und Kinder entführt. Osteuropäische Entführer seien da unterwegs, um Kindern Organe zu entnehmen und für teures Geld zu verkaufen.

„Belegt“ wurden die Schreckensmeldungen häufig mit Verweis darauf, dass „die Polizei“ in Sachen Organmafia warne oder ermittle, dass Freunde oder Bekannte von den Vorfällen gehört hätten, oder dass sogar Schulen vor den dubiosen Organhändlern und ihren Autos warnten.

Fakt ist: Die Warnungen vor Organhändlern, die von arglosen und teilweise gerade hysterischen Facebook-Nutzern weiterverbreitet werden, erweisen sich in allen Fällen als falsch. Wenn Polizeibeamte, von verunsicherten Nutzern alarmiert, tatsächlich mit Ermittlungen beginnen, stoßen sie sehr schnell auf jede Menge unhinterfragt weiterverbreitete Gerüchte – aber nie auf echte Organhändler.

Polizei: Organmafia-Meldungen sind „völliger Blödsinn“

„Wir haben Anrufe von besorgten Eltern erhalten und Hinweise bekommen, dass über die sozialen Netzwerke verbreitet wird, dass die Leute auf ihre Kinder aufpassen sollen, weil angeblich sogar Kinder direkt aus dem Kinderwagen verschwunden sind – das ist völliger Blödsinn“, berichtete etwa Markus Sauter von der Polizei in Ravensburg. „Es handelt sich um Gerüchte – die stimmen in keinster Weise.“ Gleiches bestätigt die Polizei in Remscheid, auch sie von verängstigten Facebooknutzern alarmiert. „Es ist davon auszugehen, dass es sich hierbei um eine frei erfundene Schockgeschichte handelt“, so die Fahnder. Und auch in Ingolstadt und in Duisburg wird die Polizei momentan mit den frei erfundenen Organmafia-Postings bei Facebook auf Trab gehalten – und beruhigt: „Alle Meldungen zur Organmafia sind falsch, ein Fake“.

Bei den Facebook-Meldungen über die angeblichen Organhändler handelt es sich schlichtweg um einen sogenannten Hoax: Irgendjemand hat die Falschmeldung auf den Weg bracht. Seitdem verbreitet sie sich in rasender Geschwindigkeit bei Facebook weiter – auch deshalb, weil viele Menschen derartige Nachrichten aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis nicht hinterfragen, sondern einfach weiter verbreiten.

Die Folgen dieses Verhaltens sind fatal. Menschen werden nicht etwa vor einer realen Gefahr gewarnt, sondern grundlos beunruhigt. Und die Polizei wird völlig sinnlos in Atem gehalten. Sie muss Beamte zur Überprüfung der Gerüchte abstellen, die dann bei der echten Verbrechensbekämpfung fehlen.

Tipps gegen Hoaxes

1. Wenn Sie bei Facebook Warnungen vor angeblichen Verbrechern in der Nähe erhalten: Verbreiten Sie diese niemals ungeprüft weiter. Überlegen Sie zunächst einmal, ob diese real sein können. Gleichen Sie die Nachricht dann in örtlichen Medien (Radio, Webseiten, Zeitungen) ab, ob diese gleichlautende Erkenntnisse haben.

2. Wenn Sie besorgt sind: Fragen Sie bei Ihrer örtlichen Polizei nach, ob die Meldung stimmt.

3. Wenn Freunde oder Bekannte Falschmeldungen bei Facebook verbreiten: Informieren Sie diese und bitten Sie sie, diese zu löschen.