Aktuell:

Filehoster: Sicherheit und Gefahren beim Datentausch

Kostenlose Filehoster und One-Click-Hoster sind im Kommen – und ersetzen immer häufiger die bekannten Tauschbörsen wenn es darum geht, Dateien zu sichern, zu tauschen, zum Download anzubieten oder zu teilen. Aber Vorsicht: Auch bei der Nutzung von Rapidgator, Depositfiles, Uploaded & Co. lauern Risiken.  Wir zeigen, wie Sie Sharehoster wirklich sicher nutzen.

Filehoster sind sehr beliebt. Symbolbild: S+M Services/Fotolia.com

Spätestens seit dem Schlag der Ermittlungsbehörden gegen Megaupload Anfang 2012 stehen Filehoster regelmäßig in den Schlagzeilen. Diskutiert wird über Geschäftsmodell und Missbrauch von Sharehoster für illegale Zwecke. Immer wieder werden die Hoster in der öffentlichen Diskussion dabei mit Tauschbörsen gleichgesetzt – was allerdings angesichts der Technik so nicht stimmt. Hier im Überblick die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Was sind Filehoster?

Filehoster – auch Sharehoster oder One-Click-Hoster (OCH) genannt – sind Online-Dienste, bei denen man Dateien hoch- und herunterladen kann. Wenn man eine Datei bei einem Filehoster hochgeladen hat, erhält man einen bestimmten Link, über den die Datei wieder heruntergeladen werden kann. Diesen Link kann man nun Dritten zur Verfügung stellen – etwa per Email oder in einem Forum. Wer den Link kennt, kann sich besagte Datei dann auf seinen Computer herunterladen.

Filehoster ermöglichen damit den bequemen Tausch oder die Verteilung auch großer Dateien. Da der Download in der Regel durch einen Klick erfolgt und auch das Hochladen nicht viel aufwändiger ist, sind entsprechende Dienste sehr beliebt.

 

Filehoster kostenlos – aber auch kostenpflichtig

Filehoster bieten Up- und Download in der Regel zunächst einmal kostenlos an. Wer mehr Komfort wünscht, etwa viel Speicherplatz, eine längere Speicherzeit, und insbesondere eine schnellere Download-Geschwindigkeit, kann sich einen kostenpflichtigen Zugang buchen. Die Preise beginnen bei etwa fünf bis sieben Euro pro Monat. Jahres-Abonnements oder Daten-Tarife sind zumeist etwas günstiger. Wer mehrere Filehoster nutzten will, kann auf sogenannte Multi-OHC zurückgreifen. Diese bündeln Zugänge zu mehreren kostenpflichtigen Filehostern zu einem einzigen Account. Der Vorteil für den Kunden: Mit einem einzigen Nutzernamen und Passwort kann er sich in verschiedene Filehostern einloggen.

 

Wo werden One-Click-Hoster eingesetzt?

Ein aktueller Kinofilm bei einem Filehoster

Illegal, aber weit verbreitet: Immer öfter werden über Filehoster auch aktuelle Kinofilme, Software oder Pornografie verbreitet.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Filehoster in vielen Bereichen die Tauschbörsen abgelöst haben. Auch wenn die Dienste-Betreiber selbst das vehement bestreiten: 1-Klick-Hoster werden mittlerweile sehr häufig eingesetzt, um Software, Filme, Musik oder Pornografie zu verbreiten. Häufig geschieht dies, indem die großen Dateien in kleinere Pakete aufgeteilt und die Links dorthin als Linksammlungen in einschlägigen Blogs oder Foren angeboten werden. Die Verteilung und Verbreitung der Dateien wird durch spezielle File-Suchmaschinen, die es inzwischen ebenfalls gibt, noch erleichtert. Nutzer müssen dann nur noch den Namen der gewünschten Datei und den bevorzugten Dienste-Anbieter angeben, um auf entsprechende Angebote zu stoßen.

Bisweilen werden die Datenpakete durch unverfängliche Dateinamen getarnt oder mit einem Passwort versehen. Das macht es Dienste-Anbietern, Ermittlungsbehörden, aber auch zufälligen Zeugen schwer, die echten Inhalte der Dateien zu erkennen.

Professionelle Software- und Filmpiraten bieten die Dateien zudem auf mehreren Filehostern gleichzeitig an. Wenn ein Diensteanbieter einen oder mehrere Datei-Teile löscht, können Nutzer diese dann einfach bei anderen Anbietern herunterladen.


Sind Filehoster illegal?

Nein. Zunächst einmal ist es völlig unbedenklich und legal, seine eigenen Dateien auszulagern und bei einem Filehoster oder Sharehoster hochzuladen. Auch Daten, die urheberrechtlich nicht geschützt sind oder von den Rechteinhaber ganz bewusst dazu bestimmt wurden, frei verteilt zu werden, dürfen bei solchen Diensten hochgeladen und über sie verteilt werden.

Fakt ist aber auch: Natürlich gilt auch bei Filehostern die bekannte Rechtslage zum Urheberrecht. Heißt: Das Herunterladen offensichtlich rechtwidriger Vorlagen ist verboten und kann verfolgt werden. Offensichtlich rechtswidrig heißt zum Beispiel, dass Sie bei einem Sharehoster einen Film entdecken, der gerade erst im Kino angelaufen ist. Hier müssen Sie davon ausgehen, dass es sich um eine illegale Kopie handelt. Der Download ist also verboten und kann zivilrechtlich verfolgt werden.

Zivil- und strafrechtliche Verfolgung droht Ihnen sogar, wenn Sie über Filehoster illegal urheberrechtlich geschützte Werke verbreiten und zum Download anbieten. Zwar haben die meisten bekannten Filehoster ihren Sitz im Ausland; eine Zusammenarbeit mit, oder Datenherausgabe an deutliche Ermittlungsbehörden ist -zumindest aktuell – noch eher unwahrscheinlich. Dennoch sollte man sich diesen möglichen Ärger – von der Abmahnung über die Hausdurchsuchung bis hin zur Verurteilung- besser sparen.

Müssen Filehoster Urheberrechtsverletzungen verhindern?

Das Geschäftsmodell der Filehoster selbst steht derzeit auf dem rechtlichen Prüfstand. So entschied das OLG Düsseldorf, dass dem bekannten One-Click-Hosters RapidShare  eine präventive Kontrolle der bei ihm hochgeladenen Dateien auf Urheberrechtsverletzungen nicht zumutbar sei (OLG Düsseldorf,  Urt. v. 27.04.2010, Az. I-20 U 166/09).

Das Hanseatische Oberlandesgericht wiederum stellte fest, dass auch Filehoster – eben wie Rapidshare – als Störer in Haftung genommen werden können, wenn über sie Urheberrechtsverletzungen begangen werden (Hanseatisches OLG, Urt. v. 14.03.2012 – Az. 5 U 87/09). Eine Revision zum BGH wurde zugelassen. Und das entschied im September 2013: „Leistet ein File-Hosting-Dienst durch sein konkretes Geschäftsmodell Urheberrechtsverletzungen in erheblichem Umfang Vorschub, so ist ihm eine umfassende regelmäßige Kontrolle der Linksammlungen zuzumuten, die auf seinen Dienst verweisen“.

Im Februar 2014 entschied das Landgericht Frankfurt, dass ein Filehoster, der trotz Kenntnis einer Rechtsverletzung die Daten eines Spiels nicht sofort löscht sondern weiter anbietet, dem Rechteinhaber gegenüber zu Schadensersatzzahlungen verpflichtet ist (Az. 2-06 O 319/13).

 

Der Fall Megaupload

Megaupload.com war einer der bekanntesten und beliebtesten Filehoster der Welt. Im Januar 2012 ging das amerikanische FBI gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen des Sharehosters vor.  Sieben mutmaßliche Betreiber und Helfer, darunter drei Deutsche, wurden gefasst. Die Ermittler warfen ihnen Urheberrechtsverstöße in gewaltigem Ausmaß vor. Ob auch gegen Nutzer von Megaupload vorgegangen werden würde, war zunächst unklar.

Im Zuge des Verfahrens gegen Megaupload zogen weitere Filehoster für sich Konsequenzen, änderten ihre Finanzierungsmodelle, schlossen bestimmte Länder von der Nutzung aus oder beendeten ganz ihre Tätigkeit.

 

Kostenlose Filehoster im Vergleich

Zu den gängigen kostenlosen Filehoster gehören aktuell (Stand: 2014) rapidgator.com, uploaded.to, keep2share.cc, depositfiles,com, bitshare.com, oboom.com, rapidshare.com und netload.in sowie einige andere. Ein Vergleich der Sharehoster zeigt, dass diese im Grunde die gleichen Funktionalitäten  aufweisen. Auch bei wichtigen Details wie dem Preis und der Verfügbarkeit sind die Unterschiede im Vergleich eher marginal. Bei der durchschnittlichen Download-Geschwindigkeit schienen Berichten zufolge die etablierten Anbieter wie Rapidshare oder Depositfiles die Nase vorne zu haben.

Beim Thema Datenschutz und Datensicherheit haben letztlich alle Anbieter das gleiche Manko: Da sie ihren Sitz im Ausland haben, ist die Frage, ob und wie sicher Nutzerdaten sind, nicht zu beantworten. Gerade wer sich auf einen kostenpflichtigen Account einlässt, muss den Zusicherungen der Filehoster vertrauen, dass sie sich an die Datenschutzschutz-Standards halten.

 

Gefahren bei der Nutzung von Filehostern

Die Nutzung von Filehostern ist nicht ganz ungefährlich – vor allem dann, wenn man sich in den dunkleren Ecken des Internet bewegt. Bekannte Risiken:

  • Unbekannte Inhalte: Beim Download von Filehoster wissen Sie letztlich nie, was für eine Datei Sie sich herunterladen. Das gilt vor allem dann, wenn Sie den Uploader nicht kennen. Das vermeintliche kostenlose Programm kann sich so als Trojaner erweisen, der angebliche TV-Film als kinderpornografische Datei. Bereits mit dem Download können Sie Ihren Computer schädigen, bzw. machen Sie sich strafbar.
  • Urheberrecht und Schadensersatz: Mit dem Download, auf jeden Fall aber mit dem Upload  urheberrechtlich geschützter Werke drohen Ihnen kostenpflichtige Abmahnung und Schadensersatzansprüche durch die Rechteinhaber. Und das gilt nicht nur für Film- und Musikindustrie: Auch Software-Hersteller und Vertreiber von pornografischen Filmen lassen reihenweise wegen illegaler Verbreitung ihrer Werke abmahnen.
  • Kontodaten und Probleme: Viele Sharehoster betonen zwar ihre Integrität und Seriosität. Dennoch haben sie ihren Sitz zumeist im Ausland – in der Schweiz, in Russland oder in asiatischen Staaten. Dort sind sie sicher vor Strafverfolgung – allerdings auch vor zivilrechtlichen Schritten, wenn es zu Problemen mit Dienstleistung oder Abrechnung kommt.
  • Datenschutz: Gerade bei einem Anbieter mit Sitz im Ausland können Sie nicht nachvollziehen, welche Daten er über sie speichert (etwa IP-Adresse, hoch- und heruntergeladene Dateien…), wie lange sie aufbewahrt werden, und ob diese sicher vor Dritten sind.
  • Weitergabe von Nutzerdaten:  Im Sommer 2012 deutete sich bei mehreren Filehostern an, dass diese unter dem Druck von Gerichtsentscheidungen Nutzerdaten an Rechteinhaber weitergaben – damit diese gegen Uploader rechtlich vorgehen können. Ob auch die Daten von Downloader weitergegeben wurden, war zunächst unklar.

 

Filehoster legal und sicher nutzen

Filehoster sind eine praktische Sache -wenn man sie sinnvoll und sicher einsetzt. Beachten Sie deshalb folgende Tipps:

  • Laden Sie niemals urheberrechtlich geschützte Dateien bei Filehostern hoch. Sie gefährden damit sich und andere.
  • Laden Sie niemals Dateien wie aktuelle Kinofilme, Musik-Container oder Software von Filehostern auf Ihren Rechner herunter.
  • Wenn Sie von Filehostern herunterladen, achten Sie immer auf die Quelle der Daten. Verzichten Sie auf Daten, die über fragwürdige Boards und Blogs verbreitet werden.
  • Scannen Sie alle Dateien, die Sie von Filehostern herunterladen, vor dem Öffnen mit einem aktuellen Virenscanner.
  • Wenn Sie bei einem 1-Click-Hoster auf eine illegale Datei stoßen: Melden Sie diese dem Dienste-Anbieter umgehend als illegal/unpassenden Inhalt. Sollten Sie die Datei bereits heruntergeladen haben, löschen Sie diese umgehend und sicher von Ihrer Festplatte.
  • Achten Sie bei der Nutzung auf Datensparsamkeit. Je weniger Daten Sie dem Diensteanbieter angeben, umso sicherer sind Sie letztlich.
  • Bei der Bezahlung sollten Sie gerade bei ausländischen Diensteanbietern auf anonyme Zahlungsmittel (Paysafecard etc.) setzen. Auf die Herausgabe von Konto- oder Kreditkartendaten sollte verzichtet werden.