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3.9.2010 : 18:28 : +0200


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Sicherheit in Community und Social Network

Ob Myspace, Xing, Facebook oder Lokalisten. Ob Flickr, Youtube, StudiVZ, Flirt-Fever,  Jappy oder SchuelerVZ.de: Communities und soziale Netzwerke (social networks) werden immer beliebter. Klar, es macht ja auch Spaß, im Internet Menschen kennenzulernen, zu flirten, sein Netzwerk auszubauen, oder  sich zu präsentieren. Trotzdem sind mit der aktiven Teilnahme im Web 2.0 auch Risiken verbunden. Wir zeigen sie - und wie Sie sich sicher im Mitmach-Web bewegen.

Gefahren in Communities und Netzwerken

Wer sich schon einmal in einer Community umgesehen hat, weiß es: Je mehr man sich öffnet, umso interessanter ist man für anderen Mitglieder. Dumm nur: Egal, ob Sie sich nun in Worten vorstellen, mit anderen diskutieren, Bilder von sich zeigen oder darstellen, wen Sie alles kennen - all diese Daten sind fortan in der Welt. Und Sie haben es nicht mehr in der Hand, was damit geschieht.

Beispiele:

  • Tom ist 17.  Auf einer Party macht er sich mit Freunden einen Spaß, dreht sich Zigaretten in Form von Haschisch-Tüten und stellt Bilder davon ins Internet. Zwei Wochen später klingeln Polizeibeamte bei ihm an der Tür - zur Hausdurchsuchung: Ein Dritter hatte die Fotos entdeckt und Strafanzeige wegen des Verdachts des Drogenmissbrauchs erstattet.

  • Marina schildert tagelang in ihrem Blog, wie sehr sie sich auf den anstehenden Urlaub freut. Am Reiseziel angekommen, entdeckt sie ein Internetcafe - und bloggt sofort voller Euphorie, wie wunderschön es am Strand ist. Als sie zwei Wochen später zurückkommt, ist die Tür zu ihrer Wohnung aufgebrochen und ihre Wertsachen sind weg: Die Einbrecher hatten im Blog gelesen, dass der Weg für sie frei ist.

  • Marc ist engagiertes Mitglied mehrerer politischer Internetforen. Dass es im Irak immer wieder zu Selbstmordattentaten kommt, wundert den Jugendlichen kein bisschen. "Geschieht den imperialistischen Amis ganz recht, wenn sie mal ausgebremst werden", schreibt er einmal. Als Marc Jahre später in den USA studieren will, wird ihm die Einreise verweigert. Bei Überprüfung seine Visa-Antrags waren die amerikanischen Beamten auf seine Interneteinträge gestoßen. Er gilt als Risiko.

  • Steffi ist begeisterte Community-Nutzerin. In ihrem Profil zeigt sie über 30 Fotos von sich, bei der Arbeit, mit Freunden bei Partys, im Bikini am Strand. Doch plötzlich der Horror: Im Minutentakt klingelt bei ihr das Telefon: Unbekannte machen ihr anzügliche Angebote, wollen sich mit ihr treffen. Was war passiert? Ein Unbekannter hatte ihre Strand-Fotos kopiert und mitsamt ihrer Telefonnummer auf einer Sex-Dating-Seite veröffentlicht.

  • Eigentlich eher zum Spaß gründet Frank in einer Internet-Community die Gruppe  "Münchner Kampftrinker". Zwei, dreimal besucht er seine eigene Gruppe noch, dann verliert er die Lust daran und kommt nie wieder. Als sich Frank ein Jahr später um einen Ausbildungsplatz bewirbt, erhält er eine Absage nach der anderen. Schließlich fasst er seinen Mut zusammen und fragt bei einem der Personalchefs nach, warum er abgelehnt wurde. Die Antwort ist ernüchternd: "Mit einem Auszubildenden, der sich selbst als Kampftrinker bezeichnet, können und wollen wir uns nicht identifizieren", erfährt er.

 

Communities und Netzwerke sicher nutzen

1. Datensparsamkeit

Je vollständiger ein Profil ist, umso spannender ist es auch zu lesen. Aber: Muss wirklich jeder wissen, wo Sie genau wohnen, wie Sie aussehen, wohin Sie ausgehen, wo Sie Urlaub machen und wie Ihre Freunde heißen?

Denken Sie immer daran: Jede einzelne Information für sich mag harmlos sein. Aber zusammengesammelt helfen diese Daten Dritten, ein komplettes Persönlichkeitsprofil von Ihnen zu erstellen. Und: Diese Menschen müssen Ihnen nicht unbedingt freundlich gestimmt sein.

Zudem: Denken Sie immer auch an Ihre Zukunft. Daten, die Sie heute über sich im Internet veröffentlichen, werden dort auch in zehn oder 20 Jahren noch zu finden sein. Ob Sie sich dann noch damit identifizieren können? Übrigens: Rund 26 Prozent aller Personalchefs, so eine Studie aus dem Jahr 2007, prüfen potenzielle Bewerber über Google, ehe sie diese zum Bewerbungsgespräch einladen.

Tipp: Besuchen Sie doch einfach mal Google.de und suchen Sie nach Ihrem Namen. Sie werden möglicherweise erstaunt sein, was über Sie schon alles im Internet zu finden ist.

2. Denken Sie bei Äußerungen an Ihre Zukunft

Das Internet hat ein langes Gedächtnis. Was Sie heute in einem Blog kommentieren, in einer Newsgroup diskutieren, auf Ihrer Myspace-Seite schreiben oder in einem Flirt-Forum schwärmen, wird auch noch in zehn oder 20 Jahren nachzulesen sein (zum Beispiel über den Google-Cache oder über Dienste wie www.archive.org). Beachten Sie das.

Schon heute gibt es viele Arbeitgeber, die vor der Einstellung eines Kandidaten erst einmal im Web überprüfen, was dieser früher von sich gegeben hat. Dieser Trend wird sich in Zukunft noch verstärken - zumal es sogar schon Agentur gibt, die sich auf diese Form des Researchs spezialisiert haben. In einer Studie gaben 2007 knapp 26 Prozent der Personalchefs an, dass sie Kandidaten bei der Personalauswahl über Google überprüfen.

Wie Sie Ihren Ruf im Internet schützen oder wiederherstellen, lesen Sie in unserem Kapitel Reputation Management.

3. Prüfen Sie den Dienste-Anbieter

Communities und soziale Netzwerke im Web sind eine schöne Sache - aber der Anbieter muss sie auch irgendwie finanzieren. Bedenken Sie das bei der Anmeldung - und fragen Sie sich, was der jeweilige Anbieter davon hat, wenn er für Dritte Geld, Zeit und Technik finanziert. Geht es dem Dienste-Anbieter vor allem darum, Menschen an seine Firma oder Marke zu binden und Reichweite zu schaffen? Einen solchen Dienst ist sicher eher zu trauen als einem Anbieter dem es darauf ankommt, Personen und Nutzerprofile zu erhalten, die man später möglicherweise teuer verkaufen kann?

Tipp: Achten Sie auf die Seriosität des Dienstes, seine Geschichte, seine Erreichbarkeit (deutsche Firmenadresse) und vor allem auf seine Datenschutz-Erklärung.

4. Achten Sie auf Administration, Moderation und Betreuung

Wichtig für die Sicherheit in Communities und Social Networks ist eine angemessene Betreuung und Beratung der Mitglieder durch Moderatoren oder Administratoren. Diese  greifen ein, wenn Mitglieder durch andere beleidigt, belästigt oder bedroht werden, stehen bei technischen Problemen zur Seite und helfen auch, wenn es andere Arten von Problemen gibt. Prüfen Sie vor Ihrer Anmeldung, ob und wie die Community betreut und geführt wird.

5. Welche Erfahrungen haben andere gemacht?

Das Schöner am Mitmach-Internet ist, dass viele Menschen ihre Lebenserfahrungen öffentlich machen. Das sollten Sie für Ihren eigenen Schutz ausnutzen: Bevor Sie sich in einer Community registrieren, überprüfen Sie in einer Suchmaschine, was über dieses Netzwerk schon alles geschrieben wurde, welche - positive wie negative - Erfahrungen andere vor Ihnen in dieser Gemeinschaft gemacht haben. Entscheiden Sie erst dann, ob Sie sich ebenfalls daran beteiligen möchten. Um andere Meinungen zu einer Community zu finden, geben Sie den Namen des Netzwerks doch einfach in einer Websuchmaschine wie Google oder Ask, oder in einer Blog-Suchmaschine wie Technorati.com ein.