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Premium-SMS-Chats: Razzia und fünf Verhaftungen

Polizei und Staatsanwaltschaft sind heute in einer konzertierten Aktion gegen betrügerische Premium SMS-Chats vorgegangen. Bei Razzien wurden rund 40 Häuser im Großraum Kiel und Flensburg durchsucht, gegen fünf Betrugsverdächtige erging Haftbefehl.

Es war am frühen Dienstagmorgen, als 140 Polizeibeamte und Staatsanwälte, unterstützt von Spezialeinheiten, vor 40 Wohnungen und Büros im Bereich Kiel und Flensburg anrückten. Die Fahnder durchsuchten die Räume und stellten umfangreiches Material sicher. Und: Sie präsentierten fünf Verdächtigen einen Haftbefehl wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs und nahmen sie mit in den Arrest.

Geleitet wurde die Aktion von der Staatsanwaltschaft Kiel. Dort laufen bereits seit über einem Jahr umfangreiche Ermittlungen gegen das Flensburger Firmengeflecht, das sich – unter anderem – auf betrügerische Geschäfte mit teuren Premium SMS spezialisiert haben soll.

Den Ermittlungen zufolge schickten die Verdächtigen seit etwa 2005 massenhaft Lock-Emails an Verbraucher. Das Ziel: Die Empfänger sollten in teure Premium-SMS-Chats gelockt werden. Den Opfern wurde vorgegaukelt, sie könnten über die teuren SMS – jede Nachricht per Handy kostete 1,99 Euro – Beziehungen oder Partnerschaften zu anderen Chat-Teilnehmern anbahnen. „In Wahrheit“, so die Staatsanwaltschaft, antworteten auf die teuren Kurznachrichten dann aber keine kontaktsuchenden Nutzer, sondern „ausschließlich angestellte Animateure“. Diese Animateure hätten „total gefälschte Profile angeblich Kontakt suchender Personen verwendet und auf diesem Weg Gewinne in erheblichen Ausmaßen erzielt“.

Welche Beute die Betrugsverdächtigen mit ihrer Masche machten, ist den Ermittlern zufolge noch unklar, ebenso die Zahl der Opfer. „Es wird eine Vielzahl noch unbekannter Geschädigter im ganzen Bundesgebiet vermutet“, hieß es. Möglicherweise seien zehntausende Menschen auf betrügerische Chatter hereingefallen.

Premium SMS, also teure Nachrichten über fünfstellige Kurzwahlnummern, werden immer wieder einmal von Abzockern und Betrügern für dubiose Geschäfte missbraucht. Erst vor einigen Wochen wurde deutlich, dass Betrüger auch in Communities und Sozialen Netzwerken wie lokalisten.de auf Opferjagd für ihre teuren SMS-Chats gehen.

Bei den Kieler Ermittlungen handelt sich um das bundesweit erste Verfahren aus dem Bereich virtueller Kontaktmärkte, in dem es wegen Betrugsvorwürfen gegen die Betreiber zu Festnahmen kam.

Die Ermittlungen dauern an.