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Interactive Win und Allinkasso: Verbraucherzentrale warnt vor Bezahlung

Die Allinkasso GmbH sorgt mit ihren Mahnungen im Namen einer Interactive Win Limited bei vielen Menschen für Verunsicherung. Doch für Besorgnis gibt es keinen Grund – im Gegenteil: Rechtsanwalt Markus Saller, Jurist bei der Verbraucherzentrale Bayern, warnt jetzt vor der Bezahlung der dubiosen Mahnungen: „Ich rate stattdessen zu Strafanzeigen“, sagt Saller.

Seit Mittwoch beschweren sich tausende Verbraucher im Internet über dubiose Mahnungen der Allinkasso GmbH in München. In ihrer zig-fach verschickten „Aufforderung zur unverzüglichen Zahlung“ fordert das Inkasso-Unternehmen für einen Mandaten namens „Interactive WIN Deutschl. N Interactivemedia Limited“ knapp 132 Euro von den Briefempfängern. Dieser Betrag sei nach einer „Anmeldung“ Anfang des Jahres fällig, heißt es in den Schreiben. Zu den 72 Euro für jene „Anmeldung“ kämen Zinsen, Mahnkosten und Bearbeitungsgebühren, die sich auf die knapp 132 Euro summierten.

Wo diese „Anmeldung“ erfolgt sein soll, bei wem und warum, das bleibt in den Mahnungen offen. Wundern sollte das allerdings nicht. Inzwischen weisen nämlich mehrere Indizien darauf hin, dass es sich bei den Zahlungsaufforderungen um einen äußerst zweifelhaften Versuch handelt, arglose Verbraucher abzukassieren – für nichts.

So war eine Firma namens „Interactive Win Limited“ noch bis vor kurzem völlig unbekannt. Erst vor ein paar Tagen wurden diverse Internetseiten auf diesen Namen registriert, darunter am 4. Oktober 2008 die Seite interactive-win.com und am 8. Oktober 2008 die Seite interactive-win.net.

Versteckt hinter einer Scheinadresse

Registriert sind diese Seite auf einen Mann mit angeblichem Firmensitz in der 69 Great Hampton Street in B18 6EW Birmingham. Diese Anschrift ist eine reine Briefkastenadresse, hinter der sich in der Vergangenheit immer wieder dubiose Anbieter und Abzocker versteckten.

Auch die Seiten selbst sind fragwürdig. Auf den jetzt – und nicht etwa schon im Frühjahr – gestarteten Internetseiten geht es um einen Eintragungsdienst zu Gewinnspielen. Nach der Anmeldung, so heißt es im Kleingedruckten, würden zwölf Euro pro Monat fällig – für ein halbes Jahr 72 Euro:

interactive win limited seite 4. oktober 2008

Verantwortliche oder konkrete Ansprechpartner werden auf den Seiten nicht genannt – nicht unbedingt ein Zeichen für einen seriösen und transparenten Dienst.

Bei der Allinkasso GmbH in München, die für die Interactive Limited die Mahnungen verschickt, war am Freitag telefonisch niemand zu erreichen. Lediglich ein Besetztzeichen war zu hören, wenn man die angegebene Nummer anrief. Auch eine Anfrage per Mail blieb bis zum Abend unbeantwortet.

Für Experten wie Markus Saller, Jurist bei der Verbraucherzentrale Bayern, ist der Fall dennoch klar. „Forderungen, bei denen nicht klar ist ob sie zu Recht bestehen, sollte man keinesfalls bezahlen“, sagte er auf Anfrage von Computerbetrug.de. Er riet Betroffenen stattdessen, Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft zu erstatten.

Gleichzeitig warnte der Rechtsanwalt Betroffene davor, sich von Inkassobriefen einschüchtern zu lassen und fragwürdige Forderungen zu begleichen. „In Deutschland herrscht leider die Mentalität, Rechnungen sofort und ungeprüft zu bezahlen, wenn man sie bekommt“, so der Jurist. Dies habe zur Folge, dass Abzocker seit gut drei Jahren mit dubiosen Rechnungen und Mahnungen ihr Unwesen treiben können. „Jeder, der eine ungerechtfertige Rechnung bezahlt, leistet diesem üblen Treiben weiter Vorschub“, sagte Saller. „Denn das System funktioniert nur, solange genügend Menschen darauf hereinfallen.“