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Trojaner-Mails vom BKA: Verdächtige vor Gericht

Millionen Menschen erhielten 2006 gefährliche Mails. Hinter den Mitteilungen, die angeblich von der Telekom oder gar vom Bundeskriminalamt stammten, steckten Kriminelle, die auf diese Weise Spionage-Programme verteilten. Jetzt stehen zwei der mutmaßlichen Täter vor Gericht.

„Ihre Deutsche Telekom Rechnung“: So lautete der Betreff der Mails, die vor eineinhalb Jahren Millionen Menschen in den elektronischen Briefkasten flatterten. Die Rede darin war von Rechnungsbeiträgen über mehrere hundert Euro – Grund genug für viele Menschen, den Mailanhang namens telekom-rechnung.zip zu öffnen. Und das war schlecht. Denn in diesem Anhang verbarg sich nicht etwa eine Rechnung, sondern ein Spionage-Programm, ein Trojaner.

Die gefälschten Telekom-Rechnungen waren nicht die einzigen Trojaner-Mails, die 2006 für Unruhe in Deutschland sorgten. Mindestens ebenso perfide waren die Botschaften, die angeblich vom Bundeskriminalamt stammten. Gegen den Mail-Empfänger laufe ein Ermittlungsverfahren wegen Urheberrechtsverletzungen, hieß es in den Nachrichten. Weitere Details seien im Anhang zu lesen – was ebenfalls eine Falle war. Denn auch hier verbarg sich in eben jenem Anhang ein Schadprogramm, das darauf getrimmt war,  Zugangsdaten fürs Online-Banking auf dem Computer auszuspionieren.

Phishing-Schaden mindestens eine halbe Million Euro

Hinter dem Versand dieser und ähnlicher Trojaner-Mails steckte, so die Ermittlungen, eine internationale Betrügerbande. Deren mutmaßlicher Kopf, ein 21-Jähriger russischer Herkunft, muss sich seit dieser Woche mitsamt seiner Freundin vor dem Landgericht Bonn verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden gewerbs- und bandenmäßigen Betrug in 101 Fällen sowie Bildung einer kriminellen Vereinigung vor. Der angeklagte Schaden beträgt 475 000 Euro. Das ist allerdings nur der ermittelte Betrag. In Wirklichkeit dürften der Schaden wohl höher sein, heißt es in Medienberichten.

Die Bonner Staatsanwaltschaft geht davon, dass die Bande ab März 2006 in Deutschland aktiv war und Millionen gefälschter Mails verschickte. Neben dem 21-Jährigen sind den Fahndern inzwischen vier weitere Mittäter namentlich bekannt. diese halten sich allerdings im osteuropäischen Raum auf und sind damit für die deutschen Ermittler nur schwer fassbar. Acht weitere Komplizen konnten bisher nicht identifiziert werden, berichtet die Kölnische Rundschau.

Den Tätern drohen mehrjährige Freiheitsstrafen. Juristen beobachten das Verfahren aber  auch aus einem anderen Grund: Das Landgericht Bonn muss im Rahmen des Prozesses klären, wie das Entwerfen und Verschicken der betrügerischen Mails strafrechtlich  zu werten ist. Die Staatsanwalt geht derzeit von Amtsanmaßung, Titelmissbrauch, Datenveränderung sowie Verstößen gegen das Markengesetz aus.