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Netzagentur: 0190-Nummern werden definitiv abgeschaltet

Die 0190-Nummern werden wie geplant zum Jahresende abgeschaltet. Die Frist werde nicht verlängert, teilte die Bundesnetzagentur (früher: Regulierungsbehörde) heute nach einer Anhörung mit. Verschiedene Unternehmen hatten zuvor beantragt, den schon seit 2001 feststehenden Termin der Abschaltung noch einmal zu verschieben. Dem erteilten die Regulierer eine Absage.

Die Erreichbarkeit der neuen, mit 0900 beginnenden Nummern aus allen Netzen sei bei entsprechenden Bemühungen der Marktbeteiligten in der verbleibenden Zeit realisierbar, erklärte die Behörde. Damit widersprach sie den Unkenrufen der Branche, die nach der Umstellung „Millionenverluste und den entsprechenden Abbau von Arbeitsplätzen“ prophezeit hatte – eben, weil die 0900-Nummern noch nicht aus allen Handynetzen erreichbar sind. Ein Zugeständnis machten die Regulierer der besorgten Branche allerdings: Um den Übergang zu den 0900-Nummern zu erleichtern, verfügten sie, dass auf den 0190-Nummern in der ersten Jahreshälfte 2006 eine Bandansage von zwanzig Sekunden laufen darf, in der auf eine Ersatzrufnummer und den Preis für deren Anruf hingewiesen wird. Die Bandansage selbst muss kostenlos sein.

Der Wechsel auf die 0900-Nummern hat laut Bundesnetzagentur für die Verbraucher mehrere Vorteile. An der ersten Ziffer nach der 0900 kann danach die Art des Dienstes erkannt werden. Die 1 stehe für Information, die 3 für Unterhaltung und die 5 für „Dienste für Erwachsene“. Durch diese Systematik ließen sich bestimmte Inhalte gezielt sperren. Der Preis für den jeweiligen Dienst müsse in der Werbung angegeben und bei einem Anruf kostenlos angesagt werden, teilte die Behörde weiter mit. Zudem könne der Inhaber einer 0900-Nummer über die Homepage der Bundesnetzagentur (www.bundesnetzagentur.de) herausgefunden werden.

Tatsächlich war mit den 0190-Nummern in den vergangenen Jahren massiv Schindluder getrieben worden. Unseriöse Anbieter nutzten das System der Weiter- und Untervermietung dieser Nummern aus, um aus der Anonymität heraus arglose Internetsurfer und Telefonbesitzer abzuzocken. So wurden etwa Dialer verbreitet, die über die frei tarifierbare Nummer 0190-0 gleich mehrere hundert Euro pro Einwahl kosteten. 0190-Nummern wurden daneben für Spam-Mails, Lockanrufe und angebliche Gewinnspiele oder Umfragen missbraucht. Gelackmeiert war dabei immer der zahlende Kunde. Abgezockte Opfer hatten kaum eine Chance, an die tatsächlichen Täter heranzukommen, da sich diese Dank des Systems hinter Nummernbetreibern, Telefonunternehmen oder Briefkastenfirmen verstecken konnten. Dies wird bei den 0900-Nummern nicht mehr so einfach sein: Jeder Nummerninhaber muss sich bei der Bundesnetzagentur mit ladungsfähiger Anschrift anmelden.

Der Umstieg von der 0190 auf die 0900 ist von langer Hand geplant. Schon seit dem Jahr 2003 vergibt die Bundesnetzagentur, die bis vor kurzem noch Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hieß, keine 0190-Nummern mehr. Rund 350.000 dieser Nummern waren bis dahin an die Netzbetreiber vermittelt worden. Dialer sind über die 0190 schon länger nicht mehr erlaubt in Deutschland; für sie wurde die Nummerngasse 09009 eingeführt.