Aktuell:

Handy-Payment: Teures Abo statt Frauen-Notruf und Behindertenheim

Wer im Internet Inhalte über sein Mobiltelefon bezahlen will, kann böse Überraschungen erleben. Eine Masche, die schon aus Dialer-Zeiten bekannt ist, wird jetzt auch zunehmend mit dem Zahlungsmittel Handy-Payment praktiziert: Vermeintliche Info-Angebote, ob zu Drogenhilfe, Organisationen oder Schule, erweisen sich immer öfter als teure Falle. Für bis zu 9,99 Euro pro Buchung gibt es Inhalte, die ihr Geld kaum wert sind – und teure Abonnements.

Handy-Payment ist – ähnlich wie Dialer – eigentlich dazu gedacht, im Internet kleine Geldbeträge zu bezahlen. Doch das System hat seine Tücken. Zum einen ist mit der Anmeldung in vielen Fällen ein Abonnement verbunden. Wer auch nur einmal auf Inhalte zugreifen will, soll dann gleich Beträge von bis zu 9,99 Euro bezahlen – teilweise pro Tag und bei automatischer Verlängerung. Zum anderen erfährt der Kunde erst nach erfolgter Bezahlung, was er überhaupt für sein Geld bekommt. Und das kann in den „falschen Händen“ verhängnisvoll sein. Zwar gibt es seriöse Angebote, die ihr Geld tatsächlich wert sind. Doch seit für 0900-Dialer strengere Regeln gelten, haben auch andere Betreiber von Internetseiten auf die Bezahlung per Handy und SMS umgesattelt. Ihr Ziel: Kassieren auf Teufel komm raus – und mit allen Mitteln.

Aktuelle Beispiele für diesen Trend gibt es zuhauf. So haben viele Seiten, die schon früher mit Dialern zu fragwürdiger Bekanntheit gelangt sind, jetzt das Handy-Payment im Einsatz. Als Beispiele seien Seiten wie gedichte.to oder schuldino.de genannt – letztere eine Seite, die sich von Aufmachung und Texten („jede Menge Spicktricks und Lerntipps, welche dir das Lernen und den Schulalltag erleichtern sollen“) ganz eindeutig an junge Leser richtet. In beiden Fällen schließt man bei Buchung über Handy-Payment ein Abonnement ab, das fortan Tag für Tag mit 9,98 Euro zu Buche schlägt – insgesamt also knapp 300 Euro im Monat, wenn man nicht vorher kündigt. Der Bezahlcode wird dabei als „Zugangscode“ bezeichnet – eine weitere Parallele zum Dialer, der früher in der Werbung immer wieder zum „(kostenlosen) Zugangstool“ gemacht wurde.

Daneben gibt es mittlerweile auch eine Vielzahl von Webseiten, die offensichtlich nur dazu dienen, arglosen Internetsurfern per Handy-Payment das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der Trick dabei: Die Drahtzieher übernehmen gut klingende Domains, die von den ursprünglichen Betreibern nicht mehr genutzt, von anderen Seiten aber noch verlinkt werden. Auf diesen Seiten wird dann lediglich der Name der Domain wiederholt und das Bedienungsfenster des Handy-Payments installiert. Beispiele dafür sind Seiten wie frauennotrufe-erhalten.de, tourist-info-hahn-airport.de, behindertenheim-markgroeningen.de, epilepsie-bonnrheinsieg.de, menschenrechte-mexiko.de oder meissen-stadt.de. Wer diese Seiten betritt, wird mit einem „Herzlich willkommen“ begrüßt, ein Link mit den Worten „Hier geht’s rein“ führt direkt zur Anmeldung über Handy-Payment. Versprochen wird dabei meist eine „Riesen Community mit 95.000 Mitgliedern“, in der man „Hilfe und Infos“ zum jeweiligen Domainnamen erhalte – natürlich zum saftigen Preis von 9,98 Euro im Tages-Abonnement. Dass im Bezahlfenster die Neuner der Tarifangabe nach unten verrutscht sind und beim flüchtigen Blick wie Nullen erscheinen (also wie 0,08 Euro), mag ein typografischer Fehler sein – ärgerlich und irreführend ist es trotzdem.

Mit „Micro-Payment“, also der Abrechnung kleiner Beträge im Internet, haben Tricks wie diese natürlich ebenso wenig gemein wie mit einer sinnvollen und angemessenen Nutzung dieses neuen Zahlungssystems. Eher sieht es so als, als wollten die Betreiber dieser Seiten angesichts verbraucherfreundlicher Regeln für Dialer nun auf diese Weise das schnelle Geld zu machen. Gelackmeiert ist dabei der Informationssuchende, der für viel Geld bisweilen nur minderwertige oder ungewünschte Leistungen erhält.

Die Frage bleibt, wie lange die Netzbetreiber wie T-Mobile, debitel, mobilcom oder e-plus diesem Treiben noch zusehen. Sie rechnen schließlich die Handy-Payment-Gebühren bei ihren Endkunden ab – und müssen mit ihrem guten Namen einstehen, wenn dubiose Webseitenbetreiber mit ihrer Hilfe „gute“ Geschäfte machen.

 

Update vom 04. August: Anbieter bessert nach

Die Global Netcom GmbH, die das Zahlungsmittel Handy-Payment für die genannten Seiten zur Verfügung stellt, hat sehr kurzfristig reagiert und nachgebessert. Auf den Seiten war zumindest heute deutlich zu lesen, dass bei Buchung ein Abonnement abgeschlossen wird. Ebenfalls transparenter wurde der Preis von bis zu 9,98 Euro/Tag dargestellt, zudem wurde eine Internetadresse genannt, unter der man etwaige Abo-Verträge kündigen kann.