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Auslandsdialer, Premium SMS und Abzocke: Das Jahr 2004 im Rückblick

Auslands-Dialer sorgen für Verunsicherung. 0190 und 0137-Spammer treiben ihr Unwesen. Der Bundesgerichtshof spricht ein wegweisendes Urteil zum Dialer-Missbrauch. „Hanseatische Abrechnungssysteme“ und „Digital Web Media“ schocken zehntausende Betroffene durch hohe Rechnungen – bis die Polizei durchgreift. Auch im Jahr 2004 sorgten Dialer, Mehrwertdienste und unseriöse Anbieter wieder fast täglich für Gesprächsstoff. Dialerschutz.de blickt noch einmal auf die positiven und negativen Höhepunkte des Jahres 2004 zurück. Im zweiten Teil unseres großen Jahresrückblicks: Die Monate Juli bis Dezember.

Juli

Die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag setzt das Thema Dialer, Premium-SMS und Auskunftsdienste wieder auf die Tagesordnung. In einer Großen Anfrage will die Fraktion von der Bundesregierung wissen, wie diese die Situation in Deutschland beurteilt, und ob und wie sie gegen den andauernden Missbrauch dieser Dienste vorgehen will. Die Deutsche Bahn AG warnt vor einem dubiosen Auskunftsdienst. Die Firma habe sich unter dem Stichwort „Bahnhof“ in Telefonbücher eintragen lassen, verdiene an einer teuren 118-Auskunftsnummer – und verweise dann doch nur auf die offiziellen Nummern der Deutschen Bahn. Drei Wochen nach der groß angelegten Razzia bei der HAS in Hamburg wegen betrügerischer Rechnungen rollt eine neue Welle dubioser Zahlungsaufforderungen an. Gleich mehrfach flatterten Internetnutzern Schreiben einer Firma „DMM Forderungsmanagement Ltd“ ins Haus. Das Unternehmen mit angeblichem Sitz in Birmingham fordert Geld für „kostenpflichtige Call-by-Call Telefongespräche und Internet by Call Verbindungen (Dailer)“.

August

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post geht ein weiteres Mal gegen den niederländischen Dialer-Betreiber Consul Info BV vor. Diesmal wird rund 160 Dialern des Unternehmens die Registrierung entzogen. Für 90 der verwendeten 0900-Nummern verbietet die Behörde zudem Rechnungslegung und Inkasso rückwirkend zum 15. August 2003. Ein Jahr Mehrwertdienste-Gesetz ist für Dialerschutz.de Anlass für eine erste Bilanz. Für den Verbraucherzentrale Bundesverband ist das Gesetz trotz positiver Ansätze “nicht der große Durchbruch“ gewesen. Das Gegenteil meint der „Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e.V.“ (VATM). „Das Gesetz zeigt deutliche Wirkungen“, sagt Geschäftsführer Jürgen Grützner. So seien unseriöse Anbieter „weitgehend vom Markt verschwunden“. „Das Dialer-Unwesen wurde zwar nicht gänzlich beseitigt, aber doch deutlich reduziert“, erklärt Dr. Martina Krogmann, Bundestagsabgeordnete und Internetbeauftragte der CDU, im Interview mit Dialerschutz.de. Und das Bundesverbraucherministerium erteilt einem generellen Dialer-Verbot in Deutschland eine klare Absage. „Ein solches Verbot würde auch die seriösen Anbieter treffen, die weitaus in der Überzahl sind“, erklärte eine Sprecherin des Ministeriums. Gleichzeitig geht schon wieder ein neuer Abzocker auf Tour. Vermeintliche Fax-Irrläufer eines „Unternehmensberaters Dr. Guido Homburg“ sind nichts anderes als versteckte Werbung für 0190-Dienste.

September

Experten aus dem Forum von Dialerschutz.de und Computerbetrug.de decken den Dialer-Skandal des Jahres auf: Es gibt „ferngesteuerte“ Dialer. Die Einwählprogramme sind zwar registriert und auf den ersten Blick auch rechtskonform. Doch die Zustimmung zur Einwahl gibt nicht der Nutzer – sie erfolgt unbemerkt und ferngesteuert durch einen technischen Trick. Die Affäre führt eine Woche später zu Konsequenzen. Die Regulierungsbehörde entzieht den betroffenen Dialern der Firma Teleflate S.L. die Registrierung, ordnet die Abschaltung der betreffenden Rufnummern an verbietet die Rechnungslegung. Ein Internetsurfer aus dem Raum München wird in zweiter Instanz dazu verurteilt, Dialer-Gebühren in Höhe von insgesamt 5844 Euro an seine Telefongesellschaft zu bezahlen. Das Oberlandesgericht München kommt zum Schluss, dass der User den Dialer ganz bewusst und mehrfach genutzt hatte, um darüber Erotikdienste im Internet in Anspruch zu nehmen. Dialerschutz.de beteiligt sich an der öffentlichen Anhörung zu den geplanten neuen Regeln für Dialer. Unsere Experten erarbeiten insgesamt vier Vorschläge, wie Anwählprogramme künftig sicherer werden können und Verbraucher besser vor unseriösen Anbietern geschützt sind. Die Ideen kommen an. Im Dezember wird die Regulierungsbehörde ihren Plan veröffentlichen, in dem unsere Vorschläge zu großen Teilen verwirklicht sind.

Oktober

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor der zunehmenden Gefahr durch Auslands-Dialer. Illegale Programme, die statt deutscher Mehrwert-Nummern ausländische Ziele anwählen, würden immer häufiger eingesetzt. In Österreich dürfen Dialer nur noch über die Rufnummerngasse 0939 betrieben werden. Gleich zwei Initiativen sagen der Vermüllung von Suchmaschinen durch Dialer-Seiten den Kampf an. Die Suchmaschine Seekport und das Magazin Computerbild rufen User auf, Dialer-Seiten zu melden. Der Software-Anbieter Filtertechnics.de wiederum bietet den kostenlosen „Googlefilter 1.0“ zum Download an. Das Programm soll die Ergebnisse der Suchmaschine Google um Spam- und Dialerseiten bereinigen. Zwei Monate nach den groß angelegten Razzien in Sachen Hanseaten-Dialer räumt die Polizei ein, dass der Sumpf der Betrüger möglicherweise noch nicht ausgetrocknet ist. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Täter weiterhin versuchen könnten, unter neuer Firmierung ihre Rechnungen ohne Rechtsgrund zu verschicken“, teilt die Hamburger Polizei mit. Dort liegen mittlerweile 6500 Strafanzeigen geschädigter User vor. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post warnt unterdessen vor neuen Tricks mit 0190-Nummern. Der Behörde liegen Meldungen, nach denen über Telefonate Rechnungen im vier- bis fünfstelligen Euro-Bereich zustande gekommen waren. Allen Beschwerden gemeinsam ist, dass über Konferenzschaltungen mehrere Verbindungen zu 0190-Nummern parallel hergestellt wurden.

November

Über Deutschland rollt eine neue Welle von 0190-Gewinnanrufen. Unzählige angebliche Gewinner erhalten Anrufe, in denen sie aufgefordert werden, über eine teure 0190-Nummer einen „Sachpreis im Wert von 1500 Euro“ oder sogar einen „Barpreis in Höhe von 3000 Euro“ abzurufen. Die Abzocke geht bis zum heutigen Tag weiter – ungehindert von den Behörden. Ein vermeintlicher „Neuer Verbraucherverlag“ geht auf Opferjagd. Der Trick: Betroffenen wird vorgegaukelt, sie hätten einen Fax-Irrläufer erhalten und könnten nun bei Discount-Märkten wie Aldi und Lidl enorme Kosten sparen. Wer über die angegebene 0190-Nummer Informationen abrufen will, zahlt laut Verbraucherzentrale Hamburg satte 70 Euro – für nutzlose Hinweise. Die Regulierungsbehörde berichtet, dass sie in den vergangenen Monaten mehrfach Bußgelder in fünfstelliger Höhe gegen unseriöse Anbieter von Dialern und Mehrwertdiensten verhängt habe. Namen und genau Summen will sie nicht nennen. Eine Razzia bei Tele Hansa und Media Work sorgt für Schlagzeilen: Polizeibeamte unter Federführung des Hamburger Landeskriminalamts durchsuchen eine Wohnung und die Geschäftsräume der beiden Dialer-Firmen. Ein 40-Jähriger wird vorläufig festgenommen, später aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Unternehmen stehen im Verdacht, mindestens 207 Internetsurfer mit illegalen Dialern betrogen zu haben. Ein Zusammenhang mit Abzockversuchen anderer Firmen mit Bezug auf Hamburg und Dänemark wird nicht ausgeschlossen.

Dezember

Wieder Abzocke über Telefon und Handy: Lockanrufe mit 0137-Nummern und angeblich aufgezeichnete „Voice-Dates“, die zum Anruf auf eine teure 0190-Nummer verleiten sollen, kursieren. Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit entwickelt sich die Rechtsprechung zu den so genannten Auskunftsnummern 118 weiter. Dabei stärken die Gerichte regelmäßig die Rechte der Verbraucher. Die Regulierungsbehörde macht bekannt, wie sie Verbraucher besser vor ungewollten teuren Einwahlen schützen will. So sollen Dialer-Anbieter ihre Kunden künftig besser über die Tarife aufklären. Die Pläne sorgen für scharfen Protest in den Reihen der Anbieter. Umsatzeinbußen „bis zu 50 Prozent“ seien zu befürchten, hieß es.