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Betrug mit Dialer-Grußkarten: Festnahmen und Hausdurchsuchungen in fünf Bundesländern

Bei einer bundesweiten Razzia gegen mutmaßliche 0190-Betrüger hat die Polizei heute in fünf Bundesländern Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Vier Tatverdächtige wurden festgenommen, gegen einen von ihnen bereits Haftbefehl erlassen, bestätigte das Landeskriminalamt Hessen. Spekulationen, nach denen sich die Aktion gegen die Firma Interfun GmbH gerichtet haben soll, wurden zunächst nicht offiziell bestätigt.

Wie das LKA berichtete, richtete sich die Polizeiaktion gegen eine “nordhessische Firma”, die in den vergangenen zwei Jahren massiv vermeintliche Grußkarten verschickte. Hinter diesen Grußkarten steckten in Wirklichkeit 0190-Dialer. Wenn ein argloses Opfer den Link in der Spam-Mail anklickte, installierte sich auf seinem Rechner das Wählprogramm und verursachte bei der Einwahl entsprechende Kosten (Dialerschutz.de berichtete mehrfach). Bei ihren Spam-Aktionen arbeitete die Firma den Ermittlungen zufolge mit anderen Tätern und “Werbepartnern” zusammen. Diese sorgten für den Versand der angeblichen Grußkarten über ausländische Server. Bislang sind den Ermittlungen unter Federführung der Staatsanwaltschaft Kassel 282 geschädigte Computernutzer bekannt, die Zahl der Betroffenen sei aber sicherlich weitaus höher, hieß es. Der von den Abzocker-Firmen angerichtete Schaden beläuft sich nach bisherigen Erkenntnissen auf 37.000 Euro – auch dies nur eine vorläufige Schätzung. Durchsucht wurden insgesamt 18 Wohnungen und Büros in Hessen, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Dabei wurden zahlreiche Computer und Unterlagen sichergestellt. Gegen den mutmaßlichen Haupttäter wurde Haftbefehl erlassen, berichtete ein Sprecher des LKA Hessen.

Grußkarten-Spam mit Interfun-Dialern

Spam mit Dialer-Grußkarten hatte in den vergangenen Jahren immer wieder für großen Ärger und Verunsicherung bei Internetsurfern gesorgt. In sehr vielen Fällen wurden dabei Dialer der Firma Interfun GmbH im nordhessischen Edertal beworben. Einer der spektakulärsten Fälle war der eines Beamten aus dem Bundeswirtschaftsministerium, dessen Kind ebenfalls auf eine solche Grußkarte und den damit verbundenen Interfun-Dialer hereinfiel. Er setzte sich in einer monatelangen juristischen Schlacht zur Wehr und erreichte letztlich, dass die angeblichen Geldforderungen gegen ihn fallengelassen wurden. Nicht nur in diesem Fall handelte es sich um einen Dialer der Interfun GmbH. Die Firma hatte die gegen sie mehrfach erhobenen Spam-Vorwürfe immer wieder zurückgewiesen. Es könne nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn seine Kunden Dialer unseriös bewerben, rechtfertigte sich das Unternehmen. Zuletzt hatte die Firma Interfun auf seiner Webseite mitgeteilt, dass sie “das Onlinebilling-Geschäft über Webdialer” eingestellt habe und von einer türkischen Firma namens INPA Ltd. übernommen worden sei. Heute war die Webseite von Interfun “auf Grund von Wartungsarbeiten” nicht erreichbar.

Die heutige Razzia unter Federführung des LKA Hessen war die zweite große Polizeiaktion in Zusammenhang mit 0190-Betrug in Deutschland überhaupt. Ende Mai 2002 hatte das bayerische Landeskriminalamt wie berichtet in zwei Bundesländern fünf Wohnungen und Büros durchsucht und zwei Tatverdächtige gefasst. Den Ermittlungen zufolge hatten die Männer manipulierte Webdialer verbreitet und so enormen Schaden angerichtet.